Motivierte Mitarbeiter – Wer sorgt eigentlich dafür?

2. April 2016

Liebe Chefs, behandeln Sie Ihre Mitarbeiter gut – es könnte sich lohnen. Der integrierte Jahresbericht von SAP zeigt, dass weiche Faktoren wie Engagement das Ergebnis verbessern. Die Berechnung ist allerdings schwierig.

Quelle: SAP legt Jahresbericht vor: Motivierte Mitarbeiter, mehr Gewinn?

Auch wenn das Hauptziel eines Unternehmens darin besteht, Geld zu verdienen, so hat sich daraus in den letzten Jahren ein ungesundes System entwickelt, in dem es meist nur noch um kurzfristiges Gewinndenken geht und der Shareholder Value als heilige Kuh über allem steht. Die Folgen davon sind Leistungsdruck, Burnouts, schlechte Qualität und letztendlich unzufriedene Kunden. Diese schaden den Unternehmen mehr, als sie ihnen nützen.
Daher hat es mich sehr gefreut, dass ich diesen Artikel lesen durfte. Nach und nach scheint auch in den Chefetagen der großen Konzerne durchzusickern, dass Mitarbeiter mehr sind als Ressourcen, die es bis zum Limit zu optimieren gilt. Durch KPIs bestätigt, damit auch der Controller und der Analyst beruhigt ist.

Eigentlich wollte ich es ja bei diesem Statement belassen. Aber irgend etwas hat mich nach dem Lesen und auch nach dem Schreiben nicht mehr losgelassen. Ich hatte das Gefühl, dass dieses Statement nur die halbe Wahrheit ist und zu kurz springt. Mir hat eine Komponente gefehlt.

Viel zu oft sind wir viel zu schnell dabei, über „die da oben“ zu schimpfen. Wir sind auch sehr schnell mit Antworten bei der Hand, was „die anderen“ alles ändern müssten, damit wir zufriedener und motivierter wären. Davon kann ich mich auch nicht immer ausnehmen (und du dich wahrscheinlich auch nicht). Schließlich ist es immer einfacher, den anderen ihre Fehler vorzuhalten, als selbst alles richtig zu machen und manchmal ist es auch wichtig, sich einfach mal Luft zu machen. Trotzdem bleibt die Frage, warum im gleichen Unternehmen manche Mitarbeiter zufriedener sind, als andere (und ich bin davon überzeugt, dass jeder mindestens einen Kollegen kennt, der zur „Dauernörgler“-Fraktion gehört)?

Beim Sinnieren über diese Frage ist mir ein Satz eingefallen, den ich vor Jahren mal von einem Personaltrainer gehört habe:

„Eure Mitarbeiter haben auch eine Eigenverantwortung“.

Ich glaube, dass dieser Satz der Schlüssel zur Beantwortung der Frage ist. Was gerne übersehen wird, ist, dass es nicht nur am Arbeitgeber ist, für meine Motivation zu sorgen (z.B. durch vernünftiges Gehalt, ein gutes Betriebsklima, usw.), sondern, dass ich mich auch immer wieder selbst fragen muss: Was ist mein Anteil an der Situation? Was kann ich tun um sie zu verbessern?
In meiner beruflichen Karriere war ich bisher drei mal in der Situation, dass ich frustriert, demotiviert und unzufrieden mit meinem Job war. Im Nachhinein betrachtet haben mir folgende Fragen immer geholfen mich zu orientieren und Veränderungen einzuleiten.

  • Warum bin ich eigentlich unzufrieden?
    Hier lohnt es sich, genau hinzuschauen. Denn nur wenn man den wahren Grund kennt und so lange die Schichten abträgt, bis man am Kern ist, kann man sich überlegen, wie es weitergeht.
  • Dabei kann man sich fragen, was sich verändert hat. Warum war man früher mal zufrieden und ist es jetzt nicht mehr? Ist der Grund temporär, oder ist er dauerhaft? Ist es einfach nur ein blödes Projekt, das irgendwann auch mal vorbei ist, oder hat sich in der Unternehmenskultur etwas verändert. Hat man sich selbst verändert?
    Auch hier gilt es wieder, ehrlich zu sein. Ich habe schon oft erlebt, dass sich Kollegen die Veränderung nicht eingestehen wollten oder konnten (z.B. aus Angst vor der Konsequenz oder vor der Veränderung). Wenn man also denkt: „Eigentlich macht mir der Job ja Spaß, wenn nicht x oder y wären“, dann sollte man sich fragen, ob x oder y mittlerweile zum Teil vom Job geworden und nicht nur temporäre Phänomene sind (als solche werden sie einem auch von Vorgesetzten gerne verkauft).
  • Dann kommt die Frage: Was tun?
    Ich kann aus eigener Erfahrung nur sagen: Wenn klar ist, dass es sich um eine dauerhafte Veränderung handelt, die einen unzufrieden macht, sollte man den Mut haben, sich selbst zu verändern. Ich kenne alle Ängste und Zweifel, die damit einher gehen. Ich weiß, wie es ist, irgendwo neu anfangen zu müssen. Kein Netzwerk und kein Standing zu haben. Aber ich kann euch versichern, es ist tausend mal besser als jeden morgen frustriert auf die Arbeit zu gehen.
    Klar geht man meistens zum unpassenden Zeitpunkt, klar will man sein gewohntes Umfeld nicht aufgeben, klar möchten die meisten Vorgesetzten den Mitarbeiter nicht gehen lassen und natürlich ist es immer ein Wagnis. Aber hey, so ist das Leben nun mal.

Zusammengefasst heisst das, dass beide Parteien (Arbeitgeber und Arbeitnehmer) in der Pflicht sind, sich um die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu kümmern. Jeder auf seine Weise. Der eine muss für ein vernünftiges Arbeitsumfeld sorgen, der andere muss sich selbst bewusst machen, was er eigentlich will und erwartet und überlegen, wie er sich diese Situation in dem gegeben Rahmen schaffen kann. Wenn das nicht gelingt, sollte er überlegt den Rahmen zu wechseln. Auch das ist immer eine Option.

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