Warum machst du das?

8. August 2017

Neulich habe ich einer Freundin von unserer Trekkingtour in der Pfalz erzählt. Da wir mit Zelt, Rucksack und Verpflegung unterwegs waren schleppte ich einiges Gewicht mit mir rum. Dazu stellte mir sie die simple Frage: „Warum machst du das?“ Abgesehen von dem spontanen „Weil es Spaß macht“ viel mir dazu keine gute Antwort ein. Aber seit diesem Gespräch geht mir die Frage im Kopf rum. Warum verbringe ich meine Freizeit mit bestimmten Aktivitäten? Was treibt mich an? Was gibt es mir?

Man kann natürlich darüber streiten, ob man diese Frage beantworten muss, oder wirklich einfach nur das macht, was Spaß macht und gut ist. Aber ich fand es durchaus spannend auch mal mit einem gewissen Bewusstsein draufzuhauen und mir zu überlegen, was mir – insbesondere meine sportlichen Hobbys – geben. Irgendwann wurde mir klar, dass jede Sportart ihren eigenen Reiz hat, es aber am Ende des Tages auf eine simple Motivation hinausläuft.

Mountainbiken

Damit fing meine zweite Sportkarriere nach einer längeren Pause überhaupt wieder an. Mountainbiken hat für mich im Wesentlichen 2 Komponenten. Das eine ist eine soziale Komponente, da ich auf dem Mountainbike am liebsten mit Freunden unterwegs bin. Da kann man sich auf dem Weg bergauf (mehr oder weniger) gemütlich unterhalten und in der Gruppe macht es mir persönlich einfach mehr Spaß. Beim Downhill ist es ganz klar das Adrenalin, das im Focus steht. Die Kombination aus Geschwindigkeit und technischem Anspruch sorgen für ein Flow-Gefühl bei dem ich einfach alles drumherum vergessen kann.

Rennradfahren

Rennradfahren ist ein Sport den ich sehr gerne alleine betreibe. Das stundenlange Fahren in einem gleichmäßigen Rhythmus mit einer konstanten Trittfrequenz hat schon fast etwas meditatives. Dabei wechselt sich der Bewusstseinszustand ab zwischen bewusstem Wahrnehmen der Natur und völlig gedankenleerem „Vor-Sich-Hin-Pedalieren“, bei dem nichts eine Rolle spielt. Gewürzt wird das Ganze mit dem Gefühl von Power wenn man bei einem Sprint oder den letzten Metern vorm „Gipfel“ nochmal richtig reintritt und merkt wie diese Energie direkt in Vortrieb umgewandelt wird.

Klettern

Die Essenz des Klettern kommt für mich in 3 Begriffen zusammen: Fokus, Eigenverantwortung und (Selbst-)Vertrauen. Um eine Route sicher zu Klettern, gibt es – insbesondere am Fels – wenig Raum für Ablenkung. Das Blickfeld konzentriert sich oft nur auf die unmittelbare Umgebung und die nächste Bewegung um sich Stück für Stück nach oben zu arbeiten. Dabei muss ich mich darauf verlassen, dass mich mein Sicherungspartner im Falle eines Sturzes sicher auffängt und das Material hält. Trotzdem gibt es die Momente – und das finde ich schon fast die spannendsten – bei denen man komplett auf sich selbst gestellt ist. Wenn ich einen Standplatz baue und mein Sicherurgsseil löse, bin ich komplett alleine mit mir und dem Fels. Wenn ich zu dem Zeitpunkt einen Fehler mache, tut es im günstigsten Fall weh. Und wenn was schief geht, gibt es niemanden, dem man die „Schuld“ geben kann. Wenn man’s verbockt muss man sich dem stellen, dass man es selbst verbockt hat. Ohne Wenn und Aber. Da kann man die Verantwortung an niemanden abgeben. In dem Moment kommen alle 3 Komponenten zusammen. Konzentration, um keinen Fehler zu machen und alles Schritt für Schritt durchzugehen. Selbstvertrauen, das Wissen und die Fähigkeit zu haben, die Situation zu handeln und die Eigenverantwortung damit umzugehen, wenn was schief geht.

Trekking

Das war schon fast die spannendste Überlegung. Denn oft wird dabei (insbesondere wenn es  mit Wandern gleichgesetzt wird) das Naturerlebnis in den Vordergrund gestellt. Das ist sicherlich auch eine wichtige Komponente. Aber die habe ich bei den anderen drei Sportarten auch. Ich denke, es läuft hier auf 2 Aspekte hinaus Freiheit und Selbstvertrauen. Das Gefühl, alles was man braucht (inklusive Bleibe) im Rucksack dabei zu haben gibt mir ein wahnsinnig befreiendes Gefühl. Hinzu kommt die leichte Aufregung bei der Frage „Was erwartet mich und wie gehe ich mit den Situationen um, die anders kommen als geplant?“. Diese Aufregung kann ich – immer besser – in Vorfreude umwandeln mit der Gewissheit, dass egal was kommt, es schon irgendwie klappen wird.

Auch wenn es bei allen Sportarten unterschiedliche Aspekt sind, haben alle doch  eine Gemeinsamkeit. Nämlich, dass  sie mir die Möglichkeit geben meine eigene Kraft und Lebendigkeit zu spüren.

Unterm Strich, kann ich für mich die Antwort auf die Frage, warum ich den Freizeitaktivitäten nachgehe, denen ich nun mal nachgehen ganz einfach beantworten:

Um mich selbst, meine Lebendigkeit, Kraft und Energie zu spüren und um der Energie ihren Lauf zu lassen und das Gefühl der Lebendigkeit voll auszukosten.

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